Fachkräftemangel: Alter vor Chancengleichheit?

Im Kampf gegen den Fahckräftemangel setzen immer mehr Unternehmen auf ältere Mitarbeiter. Eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt auf, dass noch erhebliches Potenzial ungenutzt bleibt.

Wenn auch die ganz große Katastrophe als Folge des Fachkräftemangels ausgeblieben ist, ist er immer noch ein Problem. Eine wichtige Ressource stellen ältere Mitarbeiter dar. Unternehmen könnten allerdings mehr tun, so eine aktuelle Studie.  

Eine weitverbreitete Aussage in den letzten zehn Jahren war: Deutschland hat Fachkräftemangel. Die ganz große Katastrophe ist zwar ausgeblieben, allerdings zeigte eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), dass die große Mehrheit der Betriebe in Deutschland nach wie vor in der Lage ist, ihren Fachkräftebedarf zu decken. Doch gibt es einige Betriebe, die zunehmende Schwierigkeiten bei der Fachkräfterekrutierung haben.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Betriebe mit Fachkräfteengpässen vor allem vermehrt auf Fördermaßnahmen für ältere Arbeitnehmer zurückgegriffen haben, während die Förderung von Chancengleichheit, die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Aus- und Weiterbildung nur eine untergeordnete Rolle spielen. Im Hinblick auf das Rekrutierungsverhalten zeigen sich Anpassungen.

Gesundheitsförderung als Gegenmaßnahme gegen den Fachkräftemangel

Anhand repräsentativer Daten für Deutschland haben die ZEW-Wissenschaftler für die Jahre 2002 bis 2014 das Aus- und Weiterbildungsangebot, Maßnahmen zur Förderung von älteren Beschäftigten inklusive der Gesundheitsförderung sowie Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit und die Rekrutierungsstrategien von hiesigen Betrieben untersucht.

Zwar zeigen verschiedene Indikatoren, dass es für Betriebe im Gefolge der wirtschaftlichen Erholung ab Mitte der 2000er Jahre schwieriger geworden ist, freie Stellen zu besetzen. „Doch hat sich dieser Trend in den frühen 2010er Jahren nicht fortgesetzt, das heißt die Schwierigkeiten haben nicht noch weiter zugenommen“, sagt Dr. Daniel Arnold, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich „Arbeitsmärkte, Personalmanagement und Soziale Sicherung“ sowie Mitautor der Studie. Weiter deuten die empirischen Ergebnisse der Analyse darauf hin, dass Betriebe mit Fachkräfteengpässen sowohl bestimmte Personalpraktiken verstärkt nutzen als auch ihr Rekrutierungsverhalten anpassen.

Erhebliches Potenzial vorhanden

„Mit Blick auf das Personalmanagement zeichnet sich ab dem Jahr 2010 ein Trend ab, vermehrt die Beschäftigung von älteren Arbeitskräften zu unterstützen“, sagt Daniel Arnold. Allerdings sind Maßnahmen wie die Einrichtung altersgemischter Teams und reduzierte Leistungsanforderungen für Ältere noch nicht weit verbreitet. „Hier gibt es noch erhebliches Potenzial“, so Arnold. Bei der Förderung von Chancengleichheit stellen die Wissenschaftler fest, dass in Betrieben ab dem Jahr 2010 mehr Unterstützung bei der Kinderbetreuung zu verzeichnen ist. Kaum belegbar ist, dass Betriebe mit Fachkräfteengpässen verstärkt ihre Belegschaften weiterbilden oder mehr Auszubildende einstellen.

Schließlich hält die Studie fest, dass sich in Kleinbetrieben mit Fachkräfteengpässen und im Dienstleistungssektor geringere Investitionen nachweisen lassen. Neben dem Investitionsverhalten sind auch Innovationen betroffen: Während Kleinbetriebe mit Engpasserwartungen weniger Prozessinnovationen durchführen, werden im produzierenden Gewerbe bei Engpässen weniger neue Produkte entwickelt. (zew/betriebundarzt)

 

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