Tropenmedizin: Vom Dschungel-Abenteuer ins Labor

Der Arbeitsplatz des modernen Tropenmediziners liegt zwischen Dschungel, Labor und Seminarraum. Die Bekämpfung von Seuchen hat sich aufgrund der gestiegenen Mobilität weltweit vervielfältigt.

Tropenmedizin im ausgehenden 19. Jahrhundert war eine Maßnahme, um Krankheiten und Seuchen in Afrika und Asien zu bekämpfen. Heute ist ihre Haupttätigkeit Vorbeugung – durch Beratung, Weiterbildung und Forschung.  

Tropenmedizin wird immer wichtiger. Die Gründe sind einfach und doch überraschend: die weltweite Mobilität von immer mehr Menschen hat zugenommen. Heute ist es für die meisten Menschen so einfach wie nie zuvor, in entfernte Region zu reisen. Des Weiteren hat die globale Migrationsdynamik zugenommen. Laut den Angaben der Vereinten Nationen betrug 2015 die Zahl der Migranten über 244 Millionen. Seit 2000 ist der Migrantenanteil um über 71 Millionen Menschen angewachsen.

Dabei gilt ein Mensch als Migrant, wenn er in einem Land lebt, in dem er nicht geboren wurde. Dazu zählen auch Flüchtlinge. In ihren Heimatländern herrschen Kriege, Dürre oder andere Katastrophen, vor der sie gezwungenermaßen fliehen. Die Vereinten Nationen schätzen ihre Zahl auf 20 Millionen. Ein Teil von ihnen hat gezielt Europa angesteuert, um hier nach Sicherheit zu suchen.

Älteste Tropeninstitut in Deutschland

Diese Entwicklung ist für die Tropenmedizin relativ neu. Sie ist ursprünglich auf dem Höhepunkt der Kolonialzeit im 19. Jahrhundert entstanden. Als europäische Mächte immer mehr Soldaten und Beamten in die Kolonialländer entsandten, traten unter ihnen häufiger unbekannte Krankheiten auf. 1899 gründete Patrick Manson in London School of Hygiene and Tropical Medicine, das heute als das älteste Tropeninstitut auf der Welt gilt.

Ein Jahr später gründete der Mediziner Bernhard Noch in Hamburg das erste Tropeninstitut in Deutschland. Das Institut für Schiffs- und Tropenkrankheit von damals heißt heute zu Ehren seines Gründers Bernhard-Noch-Institut. Forschung, Lehre, Diagnostik und Beratung zählen zum umfangreichen Portfolio des Instituts. Mitarbeiter von Unternehmen oder medizinisches Personal werden auf ihren Einsatz in den tropischen Regionen der Erde vorbereitet. Das Institut bereitet zudem Ärzte und Personal zur Flüchtlingsmedizin aus.

Beraten, weiterbilden, lehren und forschen

Tropenmediziner bekämpfen Krankheiten und Seuchen. Dafür wechseln sie ihren Arbeitsplatz vom Labor in den Dschungel oder in andere entlegene Orte der Welt. Um die Gesundheit der Menschen in der Heimat zu schützen, ist es erforderlich vor Ort Maßnahmen zu treffen. Zwar hat sich die Zahl der tropenmedizinischen Außenstationen verringert, das Engagement vor Ort bleibt weiterhin wichtig. Aufgrund der gestiegenen Migrationsdynamik sind Tropenmediziner auch in den eigenen Breitengraden gefragt.  

 

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