Trauma: Tetris statt Tabletten?

Computerspiele haben nicht nur negative Folgen. Sie helfen auch posttraumatischen Störungen zu reduzieren, so eine aktuelle Studie.

Hilft Zocken gegen Traumata? Lassen sich posttraumatische Belastungsstörungen durch Computerspielen reduzieren? Diesen Schluss legt eine Studie britischer und schwedischer Forscher nahe. 

Bisher gingen viele Forscher davon aus, dass die intensive Beschäftigung mit Computerspielen eher negative Folgen hat. Nicht umsonst warnen Experten häufig vor den ernsthaften Gefahren der Online-Spielsucht. Neueste Untersuchungen haben ergeben, dass in Deutschland etwa 30 Millionen Menschen über 14 regelmäßig digitale Spiele verwenden. Etwa vier Prozent der Jugendlichen entwickeln sogar eine Abhängigkeit.

Die kürzlich in der Fachzeitschrift „Molecular Psychiatry“ veröffentlichte Studie legt den Fokus dagegen auf mögliche positive Wirkungen von Computerspielen. Die sonst als Gefahr angesehene „Fesselung“ der Aufmerksamkeit an den Computer-Bildschirm, scheint hier zur Quelle heilsamer Wirkungen zu werden.

Krisenintervention mit Tetris!?

Grundlage der These, dass die Beschäftigung mit Online-Spielen Traumata zumindest vorübergehend abschwächen könnte, war ein Experiment. Dabei spielten Unfallopfer innerhalb von sechs Stunden nach dem belastenden Ereignis mindestens 20 Minuten Tetris. In der darauffolgenden Woche empfanden die Tetris-Spieler die Erinnerung an den Unfall als weniger bedrückend als eine Kontrollgruppe. Sie konnten sich darüber hinaus deutlich weniger an Einzelheiten der traumatischen Geschehnisse erinnern.

Daher kamen die Forscher zu dem Schluss, dass Computerspiele wie Tetris als „therapeutische Impfung“ kurz nach einem belastenden Ereignis nützlich sein können. Möglicherweise effektiver und mit weniger Nebenwirkungen wie Psychopharmaka. Jetzt ist es die Aufgabe der Forschung, diese These durch weitere Forschung zu verifizieren. Bestätigt sich das Ergebnis, könnte eine massenanwendbare Strategie zur Krisenintervention gefunden worden sein.

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